Anvertrautenschutz

Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt

An evangelischen Schulen ist ein respektvoller und Grenzen achtender Umgang mit den Kindern und Jugendlichen besonders wichtig.

Deshalb setzen sich die Mitglieder des Konvents für den Schutz der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen vor Grenzverletzungen, Übergriffen und körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt ein.

Das Evangelische Schulwerk wird eine Weiterbildung zur und zum Präventionsbeauftragten zum kommenden Schuljahr anbieten. Bei der Qualifizierungsmaßnahme in Modulform wird zeitgleich an den schuleigenen Schutzkonzepten gearbeitet, sodass diese unter Begleitung entstehen. 
Zudem werden Checklisten und drei Krisenleitfäden für die Schulen zur Verfügung gestellt:

  • Handlungsleitfaden bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch Personal gegenüber Kindern und Jugendlichen
  • Handlungsleitfaden zum Vorgehen bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe durch Kinder und Jugendliche
  • Handlungsleitfaden zum Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch und andere Formen der Kindeswohlgefährdung bei Kindern oder Jugendlichen 
 
 

Was ist ein Schutzkonzept?

Grenzen achten

Kinder und Jugendliche haben das Recht auf Sicherheit, Privatsphäre und einen achtungsvollen Umgang. Deshalb sind die Mitarbeitenden in evangelischen Schulen herausgefordert, eine Kultur der Grenzachtung zu entwickeln und präventive Maßnahmen durchzuführen. Diese Arbeit sollte im Schulcurriculum bewusst verankert und gepflegt werden. 

In dieser Kultur achten die Mitarbeitenden auf eine angemessene Nähe und Distanz zu den ihn anvertrauten Menschen und respektieren deren Intimsphäre. Sie erkennen unbeabsichtigte Grenzverletzungen, entschuldigen sich oder  weisen andere auf ihr Verhalten hin. Bei Übergriffen und strafbaren Handlungen orientieren sie sich an den entsprechenden Handlungsplänen, informieren die Verantwortlichen und wenden sich zur Beratung an das Vertrauenstelefon oder eine örtliche Beratungsstelle. Freizeitmaßnahmen, Veranstaltungen und Gruppen sind so konzipiert, dass sie Kinder, Jugendliche und schutzbefohlene Erwachsene in ihrer Selbständigkeit, der Vertretung ihrer Interessen und Bedürfnisse und in ihrer Selbstachtung stärken.

 

Was beinhaltet ein Schutzkonzept?

Die Risikoanalyse bildet den Ausgangspunkt eines  Schutzkonzepts. Ziel ist es dabei, die für Grenzverletzungen, Übergriffe und Missbrauch sensiblen Tätigkeiten, Orte, Strukturen und Situationen in einem bestimmten Arbeitsbereich (Gemeinde, Freizeit, Einrichtung...)  konkret  zu benennen und zu bewerten.  

 

1. Strukturen

  • Bewertung von Machtverhältnissen und Transparenz
  • Darstellung der Partizipationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen
  • Darstellung von Beschwerdemöglichkeiten und -wegen
  • Darstellung von Strukturen und Abläufen, die bei Grenzverletzungen, Übergriffen und strafrechtlichen Handlungen zu Klärung beitragen und Entscheidungen treffen
  • Darstellung vorhandener Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten

2. Tätigkeiten

  • Auflistung aller Tätigkeiten mit Kindern- und Jugendlichen im Arbeitsbereich
  • Bewertung des Risikos nach der Checkliste 

3. Situationen

  • Beschreibung der Situationen, in denen schon  Grenzverletzungen, Übergriffe und strafrechtlichen Handlungen vorgekommen sind oder möglich wären
  • Bewertung von pädagogischen Methoden und Settings nach ihrer Anfälligkeit für Grenzverletzungen

4. Regeln

  • Darstellung der Regeln eines Arbeitsbereichs, die Grenzverletzungen, Übergriffe und strafrechtlichen Handlungen verhindern können.
  • Darstellung bestehender Standards
  • Darstellung möglicher Sanktionen bei Regelverstößen

5. Kommunikation

  • Reflexion über den Umgang mit Fehlern und eine Kultur der Rückmeldung (Feedback)
  • die Möglichkeit der Anzeige von Problemen und Äußerung von Kritik
  • die Wahrnehmung von Konflikten und deren Bearbeitung
  • die fachliche Besprechung der persönlichen Situation und Befindlichkeit der Kinder- und Jugendlichen

6. Orte

  • Bewertung von Räumlichkeiten (vor allem auch Sanitär- und Übernachtungsräume) nach dem Schutz der Intimsphäre
  • Bewertung von Räumlichkeiten nach ihrer Abgeschiedenheit bzw. Öffentlichkeit

7. Präventionsmaßnahmen

  • Darstellung der schon vorhandener Präventionsmaßnahmen
  • Definition der Zielgruppen für weitere Präventionsmaßnahmen

 

Auf der Basis dieser Risikoanalyse können dann konkrete Präventionsmaßnahmen und Handlungspläne für Interventionen geplant werden. 

 

 

 

Weitere Informationen und Beratungsstellen