Qualitätskriterien evangelischer Schulen

Mitgliedsschulen im Evangelischen Schulwerk Baden und Württemberg erfüllen folgende Mindestkriterien:

Bildungsverständnis und Schulkultur

Die Wertschätzung  [1] des Einzelnen als Geschöpf Gottes mit individuellen Begabungen und
Leben in der Gemeinschaft sind im Schulleben verankert.

 

„Schulen in evangelischer Trägerschaft berufen sich auf das christliche Verständnis von Mensch und Wirklichkeit, wie es manchmal abgekürzt als christliches Menschenbild bezeichnet wird. Pädagogisch drückt es sich in der Annahme und Bejahung jedes einzelnen Kindes als Geschöpf Gottes aus.“  [2]


Aus dem „christlichen Verständnis von Mensch und Wirklichkeit“ ergibt sich ein inklusives Bildungsverständnis, das alle Schülerinnen und Schüler umfasst und für Vielfalt sensibel ist.  [3] Dabei wird auch darauf geachtet, ob die Schule dem jeweiligen Bildungsanspruch und dem Unterstützungsbedarf der Schülerin / des Schülers gerecht werden kann.

 

Nach dem Prinzip „Keiner darf verloren gehen“ gehört es zum „Selbstverständnis evangelischer Schulen, jeder Schülerin, jedem Schüler bestmöglich gerecht zu werden und ihnen eine optimale Förderung zu bieten. Das gilt für Kinder und Jugendliche, die durch ihre soziale, kulturelle oder religiöse Herkunft benachteiligt sind, ebenso wie für Schülerinnen und Schüler mit guten Bildungsvoraussetzungen, deren Leistungspotenzial vielfach nicht angemessen ausgeschöpft wird.“ [4]

 

In einer christlich ausgerichteten Schulkultur wird Gemeinschaft erfahrbar und Beziehungsfähigkeit in vielfältigen Bezügen eingeübt.

 

Evangelisches Bekenntnis und Profil

Die Schule hat ein Konzept mit klar erkennbarem christlich-reformatorischem Profil.

 

Religiöse Themen und Perspektiven sind im gesamten Unterricht erkennbar.

 

Soziale Verantwortung und diakonisches Engagement sind im Schulcurriculum verankert und im Schulleben erkennbar.

 

„Evangelische Schulen sehen sich dem Dienst am Nächsten verpflichtet. Sie folgen dem Motiv der Diakonie – des Dienstes, den Kirche und Christen anderen leisten wollen. Diakonie ist hier im weitesten Sinne zu verstehen als Unterstützung bedürftiger Einzelner ebenso wie als Dienst an der Gesellschaft, wie es einem an Integration orientierten diakonischen Bildungsverständnis entspricht. Schulen in evangelischer Trägerschaft geht es um eine Sozialerziehung aus der Nachfolge Jesu Christi. [5]


Schulkonzeption und Qualität

Die Schule ist als Ersatzschule (in Ausnahmefällen auch als Ergänzungsschule) genehmigt und strebt die staatliche Anerkennung an.

 

Die staatlichen Bildungspläne werden erfüllt oder ein eigener Bildungsplan ist staatlich genehmigt.

 

Die Schule leistet bewusst einen Beitrag zum öffentlichen Bildungswesen des Landes.

 

Sie hat ein definiertes pädagogisches Konzept.

 

Die Schule verpflichtet sich ein Anvertrauten-Schutzkonzept innerhalb eines Jahres zu verwirklichen.

 

Wissenschaftliche Bildungsstandards und Erkenntnisse der Wissenschaft nach dem aktuellen Stand der Forschung werden anerkannt und im Unterricht umgesetzt. [6]

 

Die Schule beteiligt sich an Evaluation und Schulentwicklung.

 

Die Schulstruktur ermöglicht eine demokratische Teilhabe aller am Schulleben und an Entscheidungen (SMV, Elternbeiratsverordnung, Schulkonferenz).

 

Es gibt eine MAV oder eine vergleichbare Form der Personalvertretung.

 

Kirchliche Zusammenarbeit

Religionsunterricht ist an der Schule obligatorisch und wird nach dem Bildungsplan BW unterrichtet. Die Schuldekanin / der Schuldekan führt die Aufsicht über den Religionsunterricht. Religionslehrer/innen besitzen die Vocatio oder die Unterrichtserlaubnis des Schuldekans.

 

Die Schule ist offen für kirchliche Visitationen.

 

Auf den bestimmenden evangelischen Einfluss wird in der Schule von den Entscheidungsträgern geachtet. Die Mehrheit der Mitglieder des Vorstands und der Schulleitung gehören einer ACK-Kirche an.

 

Die Schule zeigt sich offen für Ökumene und interreligiösen Dialog, sie pflegt Kontakte zu den örtlichen Kirchengemeinden.

 

Mitarbeit im Schulwerk

Die Schule entsendet Delegierte in die jeweilige(n) Fachgruppe(n) und den Konvent und beteiligt sich aktiv an den Aufgaben des Schulwerks.

 

[1] „Entscheidende Voraussetzungen für die biologische Funktionstüchtigkeit unserer Motivationssysteme sind das Interesse, die soiale Anerkennung und die persönliche Wertschätzung, die einem Menschen von anderen entgegengebracht werden.“ Joachim Bauer. Lob der Schule. Hamburg 2007. S. 19f

[2] Schulen in evangelischer Trägerschaft. Selbstverständnis, Leistungsfähigkeit und Perspektiven. Eine Handreichung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Gütersloh 2008. S. 39

[3] Vgl. in Es ist normal verschieden zu sein. Eine Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Gütersloh 2014. S. 35

[4] Schulen in evangelischer Trägerschaft. A. a. O. S. 41

[5] A. a. O. S. 41

[6] Die Schulen verpflichten sich damit der Richtlinie des „Beutelsbacher Konsenses“: „Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.“
Quelle: http://www.lpb-bw.de/beutelsbacher-konsens.html

Mindestkriterien in dieser Fassung beschlossen vom Konvent des Evangelischen Schulwerks Baden und Württemberg am 14. März 2018